18.10.2020

Die Wahl der richtigen Drückjagd-Patrone

Die Drückjagdsaison steht vor der Tür und wie so oft kommt die Frage nach dem passenden Setup auf. Neben dem heiß umkämpften Thema Optik (offene Visierung, Rotpunkt-Reflexvisier, fixer kleiner Zoom oder variables ZF), ist die Kaliber- und Geschosswahl wohl die am meisten diskutierte Frage. Die Frage der Optik kann oft alleine durch die Gegebenheiten auf der jeweiligen Jagd beantwortet werden (enge Schneisen bis Hochgebirgsriegler), jedoch bei der Munition ist es deutlich komplexer und kommt bei einigen Jägern einer eignen Wissenschaft oder Religion sehr nahe!

 

So möchte ich nun versuchen diesen Gordischen Knoten zu lösen. Hierzu schauen wir uns die Themen Teilzerleger oder Deformationsgeschoss und Geschossdurchmesser und -gewicht an! 

Splitter oder Ausschuss?

Die meist verbreitete Geschossart auf Drückjagden ist der Teilzerleger. Dies wird begründet, mit der Zersplitterung im Wildkörper, womit auch, bei einem eher schlecht sitzenden Schuss, lebenswichtige Organe geschädigt werden können und somit ein kleines Fragment im Leben zu einem raschen Tod führen kann. Natürlich sollte es eines jeden Waidmanns erste Prämisse sein, immer einen sauberen Schuss anzubringen, jedoch ist dies grad bei Drückjagden nicht zu einfach! Was geschieht jedoch, wenn ein solches Geschoss bei einem Keiler oder einem starken Stück Rotwild hart aufs Platt trifft? Reicht dann der eine Splitter, der durchkommt, um Schaden anzurichten? Wie wird der Hund eine Wundfährte aufnehmen ohne einen Ausschuss? Und wie schaut es überhaupt mit der Wildbretentwertung durch den Splitter aus?

 

Aus diesen Gründen gibt es Befürworter für Deformationsgeschosse. Keine Splitter im Wildbret, ein fast immer garantierter Ausschuss und ausreichend Schweiß um auch mal ohne Hund zurecht zu kommen. Nur, wenn der Schuss nicht im Leben sitzt, dann wird die Flucht doch so lang, dass auch der beste Hund aufgeben wird oder keine Wildfolge mehr vorhanden ist, da man bereits im übernächsten Revier nachsuchen muss. Außerdem ist ein Geschoss mit einem Restgewicht von über 80% deutlich gefährlicher als Querschläger und definitiv nicht zu kontrollieren! 

 

Es kann also nicht an der Art des Geschosses liegen, ob ein getroffenes Stück auch auf der Strecke liegt. Vielmehr muss bei der Geschosswahl sich jeder überlegen, welche Art für Ihn die richtige ist, bzw. welche er verantworten kann!

 

Die Leichte oder der Panzerbrecher?

Wenn es nicht die Art des Geschosses ist, die uns den Erfolg bringt, dann evtl. andere Faktoren? Bekanntlich ist Masse x Geschwindigkeit = Energie, und diese Energie wird benötigt, um eine passende Stoppwirkung zu erzielen. 

 

Nehmen wir den Faktor Masse: Wäre es wirklich so einfach, würden wir alle mit einem Geschoss mit 20g oder mehr jagen gehen. Doch versuchen Sie 20g in ein .30er Geschoss zu verbauen. Hier kommen wir einfach sehr schnell an die Grenzen des Sinnvoll-Möglichen. Außerdem ist jedem bekannt, dass je schwerer das Geschoss ist, um so langsamer ist es – im Vergleich zu leichteren – und somit steigt das Vorhaltemaß bei flüchtigem Wild. 

 

Um dieses Problem auszugleichen könnten wir nun mehr Pulver verwenden – also Magnum Patronen am besten!  Aber wie war das wieder mit dem Gefahrenbereich oder der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit? Und mehr Energie bedeutet auch mehr Hämatome und somit wieder Wildbretentwertung. 

 

Die Lösung ist so einfach!

Jetzt sind viele Worte über das Geschoss gefallen, jedoch welches Kaliber sollte überhaupt verwendet werden? Grundsätzlich kann man sagen, über 6,5mm und 2000J auf 100m. Damit kann fast überall bei Drückjagd teilgenommen werden. Einige Jagdherren verlangen jedoch mindestens 9mm oder mehr. Dies wird bei einer Einladung dann vorab erwähnt!

 

Die am meisten verbreiteten Kaliber für flüchtiges Schalenwild sind: 

·                .270 Win.

·                7×64

·                .308 Win.

·                .30-06 Sprg.

·                .300 Win. Mag.

·                8x57IS

·                9,3x62

·                .375 H&H

Aus dieser Liste das richtige Kaliber zu finden, geschieht am besten im Wirtshaus, denn hier wird man schnell von 5 Jägern 6 Meinungen dazu hören! Die Wahrheit ist schlussendlich: üben, üben, üben. Denn es zählt ausschließlich der perfekte Schuss. Ob 7mm, 8mm oder 9mm, all diese Diskussion, alles oben Genannte ist ausschließlich, um seine eigenen Fehler zu kaschieren

 

Noch ein kleiner Tipp am Ende

Wie viel Schuss nimmt man mit zur Jagd?. Wer viele Drückjagden hinter sich hat weiß genau, dass es hierzu keine Musterantwort gibt. Mir selber ist es geschehen mitten während des Nachmittagstriebs keine Patrone mehr an mir zu haben! Denn wer rechnet freie Wildbahn mit einem Anlauf von über 40 Stück schussbarem Wild? Bei der gleichen Jagd, in einem anderen Jahr, habe ich keinen Schuss abgegeben! Man soll einfach immer zu viele mitnehmen, denn das Gewicht einer einzelnen Patrone macht im Rucksack kaum einen Unterschied aus! 

 

Abschließend kann man sagen: Finde das passende Werkzeug, kaufe dazu ausreichend Munition, geh üben und habe hoffentlich viel Waidmannsheil!